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Zhan Dui. Geschmolzenes Eisen von Jing, Wang (Hrsg.)

Die Legende von Khampa
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ISBN: 978-3-99114-013-9
Herstellernummer: 37435016
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Dies ist ein ungew�hnliches Buch. Auf den ersten Blick handelt es sich um die �bersetzung eines chinesischen historischen Romans ins Deutsche. Das ist auch nicht falsch. Allerdings handelt es sich weder um einen Roman, noch behandelt der Autor A Lai hier ein chinesisches Thema, wie es der westliche Leser gewohnt sein mag. Wie der Autor selbst in seinem Vorwort schreibt, ist dieses Buch kein fiktiver Roman. Es ist auch keine historische Erz�hlung, denn nichts an dem Inhalt ist von A Lai erdacht worden. Es ist am ehesten eine Kompilation, also eine Zusammenstellung von Materialien, Fundst�cken, Dokumenten und m�ndlicher �berlieferung, die A Lai anfangs nebenbei, sp�ter aber in unerm�dlicher Kleinarbeit und gr�ndlicher Recherche zusammengetragen hat. Wie der Autor selbst sagt, stie� er zuf�llig auf die Geschichte Zhan Duis, wurde von ihr immer mehr gefangen genommen und begann, ihre Spuren St�ck f�r St�ck freizulegen. Es war gar nicht notwendig, sich etwas auszudenken, denn die Geschichte erz�hlt sich selbst. A Lai hat die komplexe Aufgabe �bernommen, sie auszugraben, in Form von Schriften und Zitaten sprechen zu lassen und sie so zu arrangieren, dass sie f�r den Leser in geschlossenes Narrativ ergibt. Dieser Prozess erfordert sicher nicht weniger Arbeit und Geduld, Kreativit�t und Fantasie wie das Verfassen eines richtigen Romans. Auf der anderen Seite ist Zhan Dui kein blo�es Geschichtsbuch. A Lai ist kein Historiker und erhebt auch nicht den Anspruch, hier eine wissenschaftliche Abhandlung vorzulegen - auch wenn das authentische Material daf�r durchaus taugen w�rde. Der Autor nutzt seine F�higkeiten als Erz�hler und erschafft eine Geschichte aus der Realit�t. Dabei kann er sich gr��ere Freiheiten als ein Historiker leisten und so webt er offizielle Dokumente wie den Schriftverkehr zwischen hohen chinesischen Beamten in Sichuan und dem Kaiser zusammen mit Fundst�cken aus lokalen Chroniken und anderen Quellen und bereichert unser Bild von den Vorg�ngen um Zhan Dui durch Volkserz�hlungen und Legenden - unabh�ngig davon, ob sie nun wahre Geschichten transportieren oder nicht. Wer gerne historische Literatur liest und vielleicht schon einmal zu Werken �ber die Geschichte Chinas oder Tibets gegriffen hat, wird grunds�tzlich mit Land und Kultur vertraut sein. Aber �blicherweise herrscht in solchen B�nden Eindeutigkeit: Es geht um ein festgelegtes Gebiet, es geht um China. Oder Tibet. Oder vielleicht Hainan. Auf jeden Fall ist die Zuordnung eindeutig. Zhan Dui wie die ganze Geschichte Khams ist viel komplexer - und spannender. Es geht um eine Grenzregion. Kham ist tibetisch gepr�gt, geh�rte aber zur chinesischen Provinz Sichuan. Das Besondere an dieser Region ist also in mehrfacher Hinsicht ihr Doppelcharakter: Sie geh�rt sowohl zu Tibet wie zu China und sie ist gleichzeitig f�r beide Kulturr�ume an der Peripherie. Das galt f�r Kultur und Sprache ebenso wie f�r die Verwaltung. Diese kulturell tibetischen Regionen Sichuans waren nicht in die normale Verwaltung eingebunden. Dies betraf nicht nur die tibetisch gepr�gten Regionen, sondern weite Teile der Provinzen in Chinas S�dwesten. Weite Regionen in Provinzen wie Sichuan, Yunnan, Guizhou oder Guangxi geh�rten zwar theoretisch seit Jahrhunderten zum chinesischen Kaiserreich, in der Praxis wussten die han-chinesischen Machthaber aber nur wenig �ber diese Gebiete und die Ethnien, die dort lebten. Sie waren weder milit�risch noch verwaltungstechnisch zu kontrollieren, und somit f�hrten die Vertreter der kaiserlichen Regierung ein System ein, das sich mit dem Prinzip des Indirect Rule vergleichen l�sst, das besonders Gro�britannien in vielen seiner Kolonien anwendete: Man versuchte gar nicht erst, die einzelnen Ethnien direkt unter Kontrolle zu bringen, sondern ernannte die Hauptleute zu Vertretern der Regierung, den Tusi. Das war eine h�chst elegante L�sung: Erstens blieben die �rtlichen Machtstrukturen unangetastet, aus Sicht der neuen V�lker Chinas �nderte sich wenig. Zweitens konnte sich die kaiserliche Verwaltung weismachen, eine befriedigende L�sung gefunden zu haben, ohne kostspielige Strukturen vor Ort, die ohnehin mit Waffengewalt h�tten erzwungen werden m�ssen. Das Tusi-System geht schon sehr weit in der chinesischen Geschichte zur�ck. Es hat seine Vorl�ufer im Jimi-System, das schon in der fr�hen Tang-Zeit eingerichtet worden ist. Der Begriff Jimi geht auf das Werk des chinesischen Historikers Sima Zhen zur�ck und bezeichnet einen Mann, der ein Pferd oder einen Ochsen an der Leine f�hrt. So betrachteten die Tang-Kaiser auch die Anf�hrer von fremden V�lkern, die durch Eroberung oder Unterwerfung unter ihre Herrschaft gekommen waren. F�r die V�lker wurde das Jimi-System geschaffen, das parallel zur chinesischen Verwaltung bestand. Die unterste Stufe waren die Anf�hrer oder H�uptlinge. Sie blieben einfach in ihrer alten Stellung, waren aber nun als besondere Beamte Untertanen der Tang. Sie waren eigenen Pr�fekten unterstellt. Auf Aufforderung hatten sie Dienste zu leisten, zum Beispiel mussten sie im Kriegsfall Truppen stellen, ansonsten blieben sie aber weitgehend unabh�ngig. Das Jimi-System war das Vorbild f�r den Umgang Chinas mit V�lkern in eroberten Gebieten oder den eigenen Grenzregionen bis in die Zeit der Qing-Dynastie. Es wurde in vielen Gebieten Chinas angewendet. In der Zeit der Tang findet sich das Jimi-System in vielen Regionen, beispielsweise in den Khanaten im Gebiet der heutigen Provinz Xinjiang, bis in das moderne Afghanistan hinein, aber auch in den mongolischen Gebieten Richtung Norden. Hier war das Jimi-System praktisch die einzige Verwaltungsform. Dagegen bestand es im S�den und S�dwesten Chinas, auch in Sichuan, parallel zu der normalen zivilen Verwaltung. Das Tusi, System, von dem wir so viel geh�rt haben, entstand unter der mongolischen Herrschaft, unter den Yuan-Dynastie. Es wurde unter den Ming und den Qing weitergef�hrt. Tusi bedeutet w�rtlich einheimische F�rsten. Die Mongolen begannen dies System einzuf�hren, denn sie wollten nach der Eroberung Chinas auch die eroberten Grenzregionen schnell unter Kontrolle bringen. Die Ernennung der lokalen Anf�hrer zu Beamten sorgte auf der einen Seite f�r die schnelle Einf�hrung einer einheitlichen Verwaltung. Auf der anderen Seite wurden die Sitten und Gebr�uche der betroffenen Gebiete nicht angetastet. Die Anf�hrer blieben die gleichen und da der Titel des Tusi meistens erblich war, blieb auch die Folge der �rtlichen Dynastien erhalten. Die Ming-Dynastie �bernahm dieses System gerne, war es doch auch eine Form, relativ einfach Gebiete nominell unter Kontrolle zu bringen und in die Verwaltung einzugliedern. Das machte es m�glich, auch wei�e Flecken auf der Karte als stabile Gebiete der eigenen Herrschaft auszuweisen. Viele Regionen, beispielsweise im S�dwesten Chinas, waren den Han-Chinesen v�llig unbekannt. Von vielen V�lkern in den Bergregionen in Guizhou, Yunnan oder Sichuan wusste die kaiserliche Verwaltung praktisch nichts, nicht einmal ihre richtigen Namen. Mit der Ernennung ihrer H�uptlinge zu Tusi konnte die kaiserliche Regierung sich in der Gewissheit wiegen, die Angelegenheiten im eigenen Reich geordnet zu haben. Doch unter den Qing geriet das System zunehmend ins Wanken: Zum einen gaben sich die Qing nicht damit zufrieden, gro�e Gebiete ihres Reiches als wei�e Flecken auf der Landkarte nur in der Theorie zu beherrschen. Das bedeutete auf der einen Seite das Sammeln von Informationen, so entstanden ganze Kataloge einzelner Ethnien in Chinas S�dwesten, die in erster Linie unterschieden, ob diese V�lker Chinas Kultur akzeptiert hatten oder gef�hrlich waren. Auf der anderen Seite bem�hte sich die kaiserliche Verwaltung zunehmend um einen direkten Zugriff auf die Tusi-Gebiete und f�hrte im Zweifelsfall auch Kriege, um Kontrolle und Ordnung (wieder) herzustellen. Dies resultierte noch unter der Regierung des Qianlong-Kaisers in einer Reihe von Kriegen, von denen auch in diesem Buch die Rede ist. Das Tusi-System geriet aber auch in die Krise, weil die traditionelle lokale Herrschaft sich als v�llig unf�hig erwies, sich politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Wandlungsprozessen anzupassen. Die einfachen Leute, Dorfbewohner oder Bauern, waren das Objekt der Beteiligten in diesem Spiel. Das ist das eigentliche Thema dieses Buches. A Lai bringt uns die Situation der Menschen in der tibetisch gepr�gten Grenzregion Sichuans nahe. Er macht dem Lesepublikum deutlich, wie sie erst zwischen machthungrigen Tusi und der kaiserlichen Macht zerrieben wurden. Im 19. Jahrhundert wurden sie dann zum Spielball im Tauziehen zwischen China und Tibet. Der Autor streicht deutlich heraus, dass sich zwar alle, von den Tusi �ber die chinesische Provinzverwaltung bis zu den tibetischen Statthaltern, um die Macht �ber eine Region wie Zhan Dui stritten, sich aber letztendlich niemand darum scherte, etwas aufzubauen oder zu entwickeln. Erst einige reformorientierte Beamte der sp�ten Qing versuchten sich daran, ein St�ck Moderne, wirtschaftliche Prosperit�t oder Bildung, auch nach Zhan Dui zu bringen. Die �bersetzung von A Lais Roman Zhan Dui war in mehrfacher Hinsicht eine komplexe Aufgabe. Dies betrifft nicht nur die �blichen Herausforderungen, einen Text von einer Sprache in die andere zu �bertragen und dabei nicht nur den Inhalt, sondern auch den Stil und die Stimmung zu erhalten und getreu dem Original wiederzugeben. In diesem Fall kommen die Art der Texte und der historische Hintergrund hinzu. Beginnen wir bei der Sprache: Ein chinesischer Text ist nicht wortw�rtlich zu �bersetzen. Daf�r sind die Strukturen, ist die Grammatik beider Sprachen zu unterschiedlich. Ganz zu schweigen von Denk- oder Redefiguren, Metaphern, Sprichw�rtern oder Vergleichen. Das heisst auch, eine �bersetzung aus dem Chinesischen ins Deutsche ist immer eher eine �bertragung. Dabei ist es nicht immer einfach, die Balance zu wahren. Es gibt �bersetzungen, die sich bem�hen, m�glichst nahe am Original zu bleiben. Das geht oftmals auf Kosten des Stils und der Lesbarkeit. Es gibt auch �bersetzungen, die sich vom Ausgangstext l�sen und einen neuen Text schaffen, der der Leserschaft m�glichst authentisch Inhalt und Geist des Originals vermittelt. Wir haben uns bem�ht, einen Mittelweg zu finden und einen Text zu schaffen, der sich nahe genug am Original orientiert, um der Leserschaft A Lai nahe zu bringen. Der sich aber sich gen�gend davon l�st, um einen gut lesbaren Roman im Deutschen herauszubekommen. Dazu haben wir den Text an einigen Stellen gestrafft und innerhalb der Unterkapitel einige Redundanzen entfernt. Einige Begriffe waren schwierig zu �bersetzen, wir hoffen, daf�r gute L�sungen gefunden zu haben. Ein Beispiel daf�r ist der chinesische Begriff f�r England, Ying Guo (). Der chinesische Begriff wird universell verwendet und unterscheidet nicht zwischen England, Gro�britannien oder dem Vereinigten K�nigreich. Der chinesische Begriff ist aber eindeutig phonetisch vom Begriff England abgeleitet, deshalb haben wir uns entschieden, diesen Begriff in der �bersetzung einheitlich als England wiederzugeben. Die �bersetzer sind sich im Klaren, dass dies historisch ungenau ist, es gibt aber unserer Ansicht nach die Ausf�hrungen A Lais und die Zitate aus den Quellen des 19. und 20. Jahrhunderts am besten wieder. Ein weiteres Beispiel sind die Festungen, von denen besonders in den ersten Kapiteln sehr viel die Rede ist. Die Berichte von den Feldz�gen gegen Zhan Dui sprechen davon, dass immer wieder Dutzende solcher Burgen erobert oder zerst�rt worden seien. Ein Leser aus Mitteleuropa wird sich vielleicht wundern, wieso auf dichtem Raum derartig viele Burgen stehen konnten und wieso es so einfach war, sie einzunehmen eine europ�ische Burg musste ja mitunter monatelang belagert werden, bevor sie erst�rmt wurde oder aufgab. Dazu muss man wissen, wie die Wohngeb�ude in den gebirgigen Grenzregionen zwischen China und Tibet aussahen. Jedes dieser H�user war wie eine Festung, mit mehreren Stockwerken, die kaum Fenster aufwiesen, an den Berghang gebaut und damit gut zu verteidigen. Bei ihrem Vorgehen mussten die Qing-Armeen also immer wieder einen dieser Festungst�rme nach dem anderen einnehmen ein m�hseliges und oftmals blutiges Unterfangen. Ein besonders schwieriges Problem, das letztendlich nicht komplett zu l�sen ist, sind die Namen von Personen und Orten. Der Roman von A Lai ist aus dem Chinesischen �bersetzt, somit sind s�mtliche Namen ebenfalls in Chinesisch. Umgekehrt handelt das Buch von einer tibetischen Region, dazu geht es teilweise um Tibet, Indien und England. Wir haben uns daf�r entschieden, Namen wie Simla oder Younghusband in ihren jeweiligen originalen Schreibweisen wiederzugeben, da sie sonst f�r den deutschsprachigen Leser nicht zu identifizieren sind. Bei den Namen in und um Zhan Dui ist es schwieriger: Die Namen sind durchweg in Chinesisch auch wenn es stets eine Tibetische Entsprechung gibt. Wir haben uns schlie�lich f�r einen Kompromiss entschieden: Die tibetischen Namen werden auch auf Tibetisch wiedergegeben auch damit sie besser von den chinesischen Beamten und Milit�rs zu unterscheiden sind, die in diesem Buch vorkommen. Dagegen haben wir die meisten Ortsbezeichnungen in Pinyin, der heute �blichen Umschrift f�r Chinesisch, wiedergegeben. Immerhin handelte es sich damals wie heute und chinesisches Staatsgebiet - und die Ortsnamen, die wir hier wiedergeben, waren die offiziellen Ortsnamen in den Dokumenten der kaiserlichen Verwaltung. So sehr wir uns um Vereinheitlichung bem�ht haben, in einem Fall haben wir eine Ausnahme gemacht: Zhan Dui. Andere Orte werden in Pinyin schlicht zusammen geschrieben, seien es nun CHengdu, Litang oder Zhanggu. Zhan Dui aber ist nicht nur die Hauptfigur des Buches, sondern auch gleichzeitig sein Titel. So erschien es uns sinnvoll, diesen Begriff auch in seiner Schreibweise von den anderen abzuheben zu deutlicher herauszustellen. Daher verwenden wir durch das ganze Manuskript Zhan Dui bzw. in den sp�teren Kapiteln Zhan Hua, anstatt einfach von Zhandui und Zhanhua zu sprechen, wie es der Konvention entsprechen w�rde. Da dieses Buch vermutlich vor allem unter China- bzw. Tibetinteressierten auf Interesse sto�en wird, wir aber nicht voraussetzen k�nnen, dass die Leserschaft sich in allen Belangen mit speziellen Themen oder Begriffen auskennt, haben wir dem Band ein kleines Glossar beigegeben. Wir erheben damit keinen Anspruch auf Vollst�ndigkeit, hoffen aber damit einen Beitrag zu leisten, sich zumindest die wichtigsten unbekannten Begriffe schnell zu erschlie�en. Wir hoffen, einen guten Weg gefunden zu haben, um Ihnen eine �bersetzung zu bieten, die sich so dicht wie m�glich am Original orientiert, aber ausreichend an ein hiesiges Leseverst�ndnis angepasst ist, um eine lebendige und anregende Lekt�re zu bieten. M�ge Zhan Dui viele interessierte Leser finden!
Autor Jing, Wang (Hrsg.) / Meng, Beidi (Übers.) / Eberspächer, Cord (Übers.)
Verlag Bacopa
Einband Fester Einband
Erscheinungsjahr 2021
Seitenangabe 360 S.
Meldetext Lieferbar in ca. 10-20 Arbeitstagen
Ausgabekennzeichen Deutsch
Abbildungen 10 schwarz-weiss Abbildungen
Masse H21.2 cm x B15.0 cm x D3.2 cm 622 g
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Dies ist ein ungew�hnliches Buch. Auf den ersten Blick handelt es sich um die �bersetzung eines chinesischen historischen Romans ins Deutsche. Das ist auch nicht falsch. Allerdings handelt es sich weder um einen Roman, noch behandelt der Autor A Lai hier ein chinesisches Thema, wie es der westliche Leser gewohnt sein mag. Wie der Autor selbst in seinem Vorwort schreibt, ist dieses Buch kein fiktiver Roman. Es ist auch keine historische Erz�hlung, denn nichts an dem Inhalt ist von A Lai erdacht worden. Es ist am ehesten eine Kompilation, also eine Zusammenstellung von Materialien, Fundst�cken, Dokumenten und m�ndlicher �berlieferung, die A Lai anfangs nebenbei, sp�ter aber in unerm�dlicher Kleinarbeit und gr�ndlicher Recherche zusammengetragen hat. Wie der Autor selbst sagt, stie� er zuf�llig auf die Geschichte Zhan Duis, wurde von ihr immer mehr gefangen genommen und begann, ihre Spuren St�ck f�r St�ck freizulegen. Es war gar nicht notwendig, sich etwas auszudenken, denn die Geschichte erz�hlt sich selbst. A Lai hat die komplexe Aufgabe �bernommen, sie auszugraben, in Form von Schriften und Zitaten sprechen zu lassen und sie so zu arrangieren, dass sie f�r den Leser in geschlossenes Narrativ ergibt. Dieser Prozess erfordert sicher nicht weniger Arbeit und Geduld, Kreativit�t und Fantasie wie das Verfassen eines richtigen Romans. Auf der anderen Seite ist Zhan Dui kein blo�es Geschichtsbuch. A Lai ist kein Historiker und erhebt auch nicht den Anspruch, hier eine wissenschaftliche Abhandlung vorzulegen - auch wenn das authentische Material daf�r durchaus taugen w�rde. Der Autor nutzt seine F�higkeiten als Erz�hler und erschafft eine Geschichte aus der Realit�t. Dabei kann er sich gr��ere Freiheiten als ein Historiker leisten und so webt er offizielle Dokumente wie den Schriftverkehr zwischen hohen chinesischen Beamten in Sichuan und dem Kaiser zusammen mit Fundst�cken aus lokalen Chroniken und anderen Quellen und bereichert unser Bild von den Vorg�ngen um Zhan Dui durch Volkserz�hlungen und Legenden - unabh�ngig davon, ob sie nun wahre Geschichten transportieren oder nicht. Wer gerne historische Literatur liest und vielleicht schon einmal zu Werken �ber die Geschichte Chinas oder Tibets gegriffen hat, wird grunds�tzlich mit Land und Kultur vertraut sein. Aber �blicherweise herrscht in solchen B�nden Eindeutigkeit: Es geht um ein festgelegtes Gebiet, es geht um China. Oder Tibet. Oder vielleicht Hainan. Auf jeden Fall ist die Zuordnung eindeutig. Zhan Dui wie die ganze Geschichte Khams ist viel komplexer - und spannender. Es geht um eine Grenzregion. Kham ist tibetisch gepr�gt, geh�rte aber zur chinesischen Provinz Sichuan. Das Besondere an dieser Region ist also in mehrfacher Hinsicht ihr Doppelcharakter: Sie geh�rt sowohl zu Tibet wie zu China und sie ist gleichzeitig f�r beide Kulturr�ume an der Peripherie. Das galt f�r Kultur und Sprache ebenso wie f�r die Verwaltung. Diese kulturell tibetischen Regionen Sichuans waren nicht in die normale Verwaltung eingebunden. Dies betraf nicht nur die tibetisch gepr�gten Regionen, sondern weite Teile der Provinzen in Chinas S�dwesten. Weite Regionen in Provinzen wie Sichuan, Yunnan, Guizhou oder Guangxi geh�rten zwar theoretisch seit Jahrhunderten zum chinesischen Kaiserreich, in der Praxis wussten die han-chinesischen Machthaber aber nur wenig �ber diese Gebiete und die Ethnien, die dort lebten. Sie waren weder milit�risch noch verwaltungstechnisch zu kontrollieren, und somit f�hrten die Vertreter der kaiserlichen Regierung ein System ein, das sich mit dem Prinzip des Indirect Rule vergleichen l�sst, das besonders Gro�britannien in vielen seiner Kolonien anwendete: Man versuchte gar nicht erst, die einzelnen Ethnien direkt unter Kontrolle zu bringen, sondern ernannte die Hauptleute zu Vertretern der Regierung, den Tusi. Das war eine h�chst elegante L�sung: Erstens blieben die �rtlichen Machtstrukturen unangetastet, aus Sicht der neuen V�lker Chinas �nderte sich wenig. Zweitens konnte sich die kaiserliche Verwaltung weismachen, eine befriedigende L�sung gefunden zu haben, ohne kostspielige Strukturen vor Ort, die ohnehin mit Waffengewalt h�tten erzwungen werden m�ssen. Das Tusi-System geht schon sehr weit in der chinesischen Geschichte zur�ck. Es hat seine Vorl�ufer im Jimi-System, das schon in der fr�hen Tang-Zeit eingerichtet worden ist. Der Begriff Jimi geht auf das Werk des chinesischen Historikers Sima Zhen zur�ck und bezeichnet einen Mann, der ein Pferd oder einen Ochsen an der Leine f�hrt. So betrachteten die Tang-Kaiser auch die Anf�hrer von fremden V�lkern, die durch Eroberung oder Unterwerfung unter ihre Herrschaft gekommen waren. F�r die V�lker wurde das Jimi-System geschaffen, das parallel zur chinesischen Verwaltung bestand. Die unterste Stufe waren die Anf�hrer oder H�uptlinge. Sie blieben einfach in ihrer alten Stellung, waren aber nun als besondere Beamte Untertanen der Tang. Sie waren eigenen Pr�fekten unterstellt. Auf Aufforderung hatten sie Dienste zu leisten, zum Beispiel mussten sie im Kriegsfall Truppen stellen, ansonsten blieben sie aber weitgehend unabh�ngig. Das Jimi-System war das Vorbild f�r den Umgang Chinas mit V�lkern in eroberten Gebieten oder den eigenen Grenzregionen bis in die Zeit der Qing-Dynastie. Es wurde in vielen Gebieten Chinas angewendet. In der Zeit der Tang findet sich das Jimi-System in vielen Regionen, beispielsweise in den Khanaten im Gebiet der heutigen Provinz Xinjiang, bis in das moderne Afghanistan hinein, aber auch in den mongolischen Gebieten Richtung Norden. Hier war das Jimi-System praktisch die einzige Verwaltungsform. Dagegen bestand es im S�den und S�dwesten Chinas, auch in Sichuan, parallel zu der normalen zivilen Verwaltung. Das Tusi, System, von dem wir so viel geh�rt haben, entstand unter der mongolischen Herrschaft, unter den Yuan-Dynastie. Es wurde unter den Ming und den Qing weitergef�hrt. Tusi bedeutet w�rtlich einheimische F�rsten. Die Mongolen begannen dies System einzuf�hren, denn sie wollten nach der Eroberung Chinas auch die eroberten Grenzregionen schnell unter Kontrolle bringen. Die Ernennung der lokalen Anf�hrer zu Beamten sorgte auf der einen Seite f�r die schnelle Einf�hrung einer einheitlichen Verwaltung. Auf der anderen Seite wurden die Sitten und Gebr�uche der betroffenen Gebiete nicht angetastet. Die Anf�hrer blieben die gleichen und da der Titel des Tusi meistens erblich war, blieb auch die Folge der �rtlichen Dynastien erhalten. Die Ming-Dynastie �bernahm dieses System gerne, war es doch auch eine Form, relativ einfach Gebiete nominell unter Kontrolle zu bringen und in die Verwaltung einzugliedern. Das machte es m�glich, auch wei�e Flecken auf der Karte als stabile Gebiete der eigenen Herrschaft auszuweisen. Viele Regionen, beispielsweise im S�dwesten Chinas, waren den Han-Chinesen v�llig unbekannt. Von vielen V�lkern in den Bergregionen in Guizhou, Yunnan oder Sichuan wusste die kaiserliche Verwaltung praktisch nichts, nicht einmal ihre richtigen Namen. Mit der Ernennung ihrer H�uptlinge zu Tusi konnte die kaiserliche Regierung sich in der Gewissheit wiegen, die Angelegenheiten im eigenen Reich geordnet zu haben. Doch unter den Qing geriet das System zunehmend ins Wanken: Zum einen gaben sich die Qing nicht damit zufrieden, gro�e Gebiete ihres Reiches als wei�e Flecken auf der Landkarte nur in der Theorie zu beherrschen. Das bedeutete auf der einen Seite das Sammeln von Informationen, so entstanden ganze Kataloge einzelner Ethnien in Chinas S�dwesten, die in erster Linie unterschieden, ob diese V�lker Chinas Kultur akzeptiert hatten oder gef�hrlich waren. Auf der anderen Seite bem�hte sich die kaiserliche Verwaltung zunehmend um einen direkten Zugriff auf die Tusi-Gebiete und f�hrte im Zweifelsfall auch Kriege, um Kontrolle und Ordnung (wieder) herzustellen. Dies resultierte noch unter der Regierung des Qianlong-Kaisers in einer Reihe von Kriegen, von denen auch in diesem Buch die Rede ist. Das Tusi-System geriet aber auch in die Krise, weil die traditionelle lokale Herrschaft sich als v�llig unf�hig erwies, sich politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Wandlungsprozessen anzupassen. Die einfachen Leute, Dorfbewohner oder Bauern, waren das Objekt der Beteiligten in diesem Spiel. Das ist das eigentliche Thema dieses Buches. A Lai bringt uns die Situation der Menschen in der tibetisch gepr�gten Grenzregion Sichuans nahe. Er macht dem Lesepublikum deutlich, wie sie erst zwischen machthungrigen Tusi und der kaiserlichen Macht zerrieben wurden. Im 19. Jahrhundert wurden sie dann zum Spielball im Tauziehen zwischen China und Tibet. Der Autor streicht deutlich heraus, dass sich zwar alle, von den Tusi �ber die chinesische Provinzverwaltung bis zu den tibetischen Statthaltern, um die Macht �ber eine Region wie Zhan Dui stritten, sich aber letztendlich niemand darum scherte, etwas aufzubauen oder zu entwickeln. Erst einige reformorientierte Beamte der sp�ten Qing versuchten sich daran, ein St�ck Moderne, wirtschaftliche Prosperit�t oder Bildung, auch nach Zhan Dui zu bringen. Die �bersetzung von A Lais Roman Zhan Dui war in mehrfacher Hinsicht eine komplexe Aufgabe. Dies betrifft nicht nur die �blichen Herausforderungen, einen Text von einer Sprache in die andere zu �bertragen und dabei nicht nur den Inhalt, sondern auch den Stil und die Stimmung zu erhalten und getreu dem Original wiederzugeben. In diesem Fall kommen die Art der Texte und der historische Hintergrund hinzu. Beginnen wir bei der Sprache: Ein chinesischer Text ist nicht wortw�rtlich zu �bersetzen. Daf�r sind die Strukturen, ist die Grammatik beider Sprachen zu unterschiedlich. Ganz zu schweigen von Denk- oder Redefiguren, Metaphern, Sprichw�rtern oder Vergleichen. Das heisst auch, eine �bersetzung aus dem Chinesischen ins Deutsche ist immer eher eine �bertragung. Dabei ist es nicht immer einfach, die Balance zu wahren. Es gibt �bersetzungen, die sich bem�hen, m�glichst nahe am Original zu bleiben. Das geht oftmals auf Kosten des Stils und der Lesbarkeit. Es gibt auch �bersetzungen, die sich vom Ausgangstext l�sen und einen neuen Text schaffen, der der Leserschaft m�glichst authentisch Inhalt und Geist des Originals vermittelt. Wir haben uns bem�ht, einen Mittelweg zu finden und einen Text zu schaffen, der sich nahe genug am Original orientiert, um der Leserschaft A Lai nahe zu bringen. Der sich aber sich gen�gend davon l�st, um einen gut lesbaren Roman im Deutschen herauszubekommen. Dazu haben wir den Text an einigen Stellen gestrafft und innerhalb der Unterkapitel einige Redundanzen entfernt. Einige Begriffe waren schwierig zu �bersetzen, wir hoffen, daf�r gute L�sungen gefunden zu haben. Ein Beispiel daf�r ist der chinesische Begriff f�r England, Ying Guo (). Der chinesische Begriff wird universell verwendet und unterscheidet nicht zwischen England, Gro�britannien oder dem Vereinigten K�nigreich. Der chinesische Begriff ist aber eindeutig phonetisch vom Begriff England abgeleitet, deshalb haben wir uns entschieden, diesen Begriff in der �bersetzung einheitlich als England wiederzugeben. Die �bersetzer sind sich im Klaren, dass dies historisch ungenau ist, es gibt aber unserer Ansicht nach die Ausf�hrungen A Lais und die Zitate aus den Quellen des 19. und 20. Jahrhunderts am besten wieder. Ein weiteres Beispiel sind die Festungen, von denen besonders in den ersten Kapiteln sehr viel die Rede ist. Die Berichte von den Feldz�gen gegen Zhan Dui sprechen davon, dass immer wieder Dutzende solcher Burgen erobert oder zerst�rt worden seien. Ein Leser aus Mitteleuropa wird sich vielleicht wundern, wieso auf dichtem Raum derartig viele Burgen stehen konnten und wieso es so einfach war, sie einzunehmen eine europ�ische Burg musste ja mitunter monatelang belagert werden, bevor sie erst�rmt wurde oder aufgab. Dazu muss man wissen, wie die Wohngeb�ude in den gebirgigen Grenzregionen zwischen China und Tibet aussahen. Jedes dieser H�user war wie eine Festung, mit mehreren Stockwerken, die kaum Fenster aufwiesen, an den Berghang gebaut und damit gut zu verteidigen. Bei ihrem Vorgehen mussten die Qing-Armeen also immer wieder einen dieser Festungst�rme nach dem anderen einnehmen ein m�hseliges und oftmals blutiges Unterfangen. Ein besonders schwieriges Problem, das letztendlich nicht komplett zu l�sen ist, sind die Namen von Personen und Orten. Der Roman von A Lai ist aus dem Chinesischen �bersetzt, somit sind s�mtliche Namen ebenfalls in Chinesisch. Umgekehrt handelt das Buch von einer tibetischen Region, dazu geht es teilweise um Tibet, Indien und England. Wir haben uns daf�r entschieden, Namen wie Simla oder Younghusband in ihren jeweiligen originalen Schreibweisen wiederzugeben, da sie sonst f�r den deutschsprachigen Leser nicht zu identifizieren sind. Bei den Namen in und um Zhan Dui ist es schwieriger: Die Namen sind durchweg in Chinesisch auch wenn es stets eine Tibetische Entsprechung gibt. Wir haben uns schlie�lich f�r einen Kompromiss entschieden: Die tibetischen Namen werden auch auf Tibetisch wiedergegeben auch damit sie besser von den chinesischen Beamten und Milit�rs zu unterscheiden sind, die in diesem Buch vorkommen. Dagegen haben wir die meisten Ortsbezeichnungen in Pinyin, der heute �blichen Umschrift f�r Chinesisch, wiedergegeben. Immerhin handelte es sich damals wie heute und chinesisches Staatsgebiet - und die Ortsnamen, die wir hier wiedergeben, waren die offiziellen Ortsnamen in den Dokumenten der kaiserlichen Verwaltung. So sehr wir uns um Vereinheitlichung bem�ht haben, in einem Fall haben wir eine Ausnahme gemacht: Zhan Dui. Andere Orte werden in Pinyin schlicht zusammen geschrieben, seien es nun CHengdu, Litang oder Zhanggu. Zhan Dui aber ist nicht nur die Hauptfigur des Buches, sondern auch gleichzeitig sein Titel. So erschien es uns sinnvoll, diesen Begriff auch in seiner Schreibweise von den anderen abzuheben zu deutlicher herauszustellen. Daher verwenden wir durch das ganze Manuskript Zhan Dui bzw. in den sp�teren Kapiteln Zhan Hua, anstatt einfach von Zhandui und Zhanhua zu sprechen, wie es der Konvention entsprechen w�rde. Da dieses Buch vermutlich vor allem unter China- bzw. Tibetinteressierten auf Interesse sto�en wird, wir aber nicht voraussetzen k�nnen, dass die Leserschaft sich in allen Belangen mit speziellen Themen oder Begriffen auskennt, haben wir dem Band ein kleines Glossar beigegeben. Wir erheben damit keinen Anspruch auf Vollst�ndigkeit, hoffen aber damit einen Beitrag zu leisten, sich zumindest die wichtigsten unbekannten Begriffe schnell zu erschlie�en. Wir hoffen, einen guten Weg gefunden zu haben, um Ihnen eine �bersetzung zu bieten, die sich so dicht wie m�glich am Original orientiert, aber ausreichend an ein hiesiges Leseverst�ndnis angepasst ist, um eine lebendige und anregende Lekt�re zu bieten. M�ge Zhan Dui viele interessierte Leser finden!

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